Kaisers Mar ine
Kaisers-Marine

 


S.M.S. AEGIR

S.M.S. AEGIR war ein Panzerschiff IV. Klasse, ab 1899 als Küstenpanzerschiff klassifiziert, und das letzte Schiff der 8 Einheiten umfassenden Siegfried-Klasse. Es wurde auf der Kaiserlichen Werft Kiel gebaut und lief am 03.04.1895 vom Stapel. Die Indienststellung erfolgte am 15.10.1896.
Das Schiff führte nach der Indienststellung bis April 1897 Probefahrten durch und wurde dann zunächst wieder außer Dienst gestellt. Ab dem 01.07.1897 wieder aktiviert wurde das Schiff der Reservedivision der Ostsee zugeteilt. Während des Herbstmanövers 1898 war die Aegir Flaggschiff des für die Zeit des Manövers gebildeten II. Geschwaders und gehörte zur 3. Division. Im Dezember des selben Jahres unternahm Aegir zusammen mit dem Schwesterschiff S.M.S. Odin eine Fahrt nach Kopenhagen.
1899 gehörte die Aegir von Ende April bis zum 31.05.1899 an Stelle der ausgefallenen S.M.S. Oldenburg beim I. Geschwader und nahm an einer Reise nach England und Portugal teil. Im Juni konnte das Schiff der im Kattegat aufgelaufenen „Kaiserin Maria Theresia“ und der im Großen Belt aufgelaufenen „Hansa“ jeweils helfen, wieder frei zu kommen. Am Herbstmanöver des Jahres 1899 nahm Aegir als Flaggschiff der 4. Division beim II. Geschwader teil und wurde am 28.08. von einem britischen Dampfer gerammt. Der Schaden wurde in der Kaiserlichen Werft Kiel beseitigt und das Schiff konnte nach kurzer Zeit wieder am Manöver teilnehmen.
Auch das Herbstmanöver des Folgejahres 1900, zu dem das Schiff wieder herangezogen worden war, verlief nicht routinegemäß. Die Aegir musste vielmehr am 02.09.1900 zusammen mit dem Schwesterschiff S.M.S. Odin dem im Stettiner Haff aufgelaufenen HAPAG-Dampfer „Deutschland“ Hilfe leisten. Nach Abschluss des Manövers wurde die Aegir zunächst außer Dienst gestellt.
Am 31.07.1901 wurde die Aegir als Flaggschiff der neugebildeten Reservedivision wieder in Dienst gestellt. Bereits kurz darauf, am 06.08.1901, kam es während einer Übung an Bord zu einer Verpuffung an einem der Kessel, bei der 5 Heizer schwer verletzt wurden. Im September 1901 - aus der Reservedivision war inzwischen das II. Geschwader geworden – wurde die Aegir wieder der Reservedivison der Ostsee zugeteilt.
In den Folgemonaten führte das Küstenpanzerschiff verschiedene Übungsfahrten sowie im April 1902 – zusammen mit dem Schwesterschiff S.M.S. Hagen - Torpedoschießübungen in der Kieler Bucht durch. Am 30.06.1902 erfolgte dann die Außerdienststellung in Danzig, um anschließend – wie die übrigen Schiffe dieser Klasse – umfangreich umgebaut und modernisiert zu werden. Bei den im Februar 1903 auf der Kaiserlichen Werft Danzig begonnenen Arbeiten wurde das Schiff um 8,5 m verlängert und erhielt als erste größere Einheit der Kaiserlichen Marine eine komplette Ausstattung mit Thornycroft-Wasserrohrkessel anstelle der bisher verbauten Lokomotivkessel. Auch die Maschinenanlage, die Bewaffnung sowie ein Teil der Panzerung wurden modernisiert. Nach Abschluss der Arbeiten im September 1904 wurde das Schiff am 10.10.1904 wieder in Dienst gestellt und dem in Kiel gebildeten Reservegeschwader, das aus den 8 Schiffen der Siegfried-Klasse bestand, zugeteilt. Ab 1906 gehörte das Schiff zum Verband der Schul- und Versuchsschiffe. Die Aegir wurde in diesen Jahren mit zahlreiche Probefahrten, Manöver und Übungen in der Ostsee beschäftigt. Auch zur Wetterbeobachtung wurde das Schiff herangezogen und im Dezember 1906 konnte der in der Weichselmündung auf eine Untiefe geratene Tankdampfer „Geestemünde“ von der Untiefe heruntergezogen und abgeschleppt werden. Am 15.09.1909 wurde das Schiff in Danzig außer Dienst gestellt und in die Materialreserve überführt.
Der Kriegsbeginn brachte auch für die Aegir die Reaktivierung und Zuteilung zum neugebildeten VI. Geschwader. Im Rahmen dieses Verbandes war die Aegir ab dem 15.09.1914 im Küstenschutz und Vorpostendienst in der Deutschen Bucht eingesetzt und sicherte vor allem die Mündung von Jade und Weser. Ab dem 13.12.1914 diente das Schiff nach dem Ausfall der S.M.S. Hildebrand als neues Geschwaderflaggschiff. Nach der Auflösung des VI. Geschwader am 31.08.1915 gehörte die Aegir ab dem 01.09.1915 zur Hafenflottille der Jade und Weser in Wilhelmshaven, bevor das Schiff angesichts des geringen Kampfwertes am 14.01.1916 endgültig außer Dienst gestellt wurde.
Die Aegir wurde nach der Außerdienststellung desarmiert und als Wohnhulk für Werftarbeiter verwandt. Am 17.06.1919 wurde das Schiff aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen, verkauft und danach zu einem Frachtschiff umgebaut. Als solches strandete es 1929 vor Gotland und wurde dann aufgegeben.

Die obige Postkarte trägt rückseitig einen Poststempel aus dem Monat Juni 1906. Das Foto zeigt 7 Mann der Besatzung, wobei es sich bei dem Mann mit der Rettungsring wohl um den Koch des Schiffs handelt. Auf dem Rettungsring ist der Schiffsname mit einfachen, weißen Großbuchstaben aufgebracht, zusätzlich wurden auch noch die Bänder, die das umlaufende Tau halten, weiß gestrichen.